Nominalisierung und komplexe Nominalphrasen (Umwandlung von Nebensätzen in Nomina)
C1Nominalisierung und komplexe Nominalphrasen (Umwandlung von Nebensätzen in Nomina)
Dieser Leitfaden erklärt, was Nominalisierung im Englischen bedeutet, wann und warum man Sätze oder Teile davon in Nomina umwandelt, wie die wichtigsten Formen gebildet werden und welche Fallstricke es gibt. Die Erklärungen sind auf Deutsch; die Beispielsätze sind großteils auf Englisch (mit deutscher Übersetzung), damit du die Formen direkt erkennst.
Was bedeutet Nominalisierung und was sind komplexe Nominalphrasen?
Nominalisierung bedeutet: Eine Handlung, ein Zustand oder sogar ein ganzer Nebensatz wird so ausgedrückt, dass er als Nomen (Substantiv) fungiert. "Complex noun phrases" sind Nominalphrasen, die aus mehreren Teilen bestehen (Bestimmer, Vorfeld, Kernnomen, Ergänzungen, Relativsätze usw.) — also lange Nomengruppen, die viel Information tragen können.
Beispiele (Englisch → Deutsch):
- "Smoking is harmful." → "Rauchen ist schädlich." (Gerundium als Nomen)
- "The discovery of penicillin changed medicine." → "Die Entdeckung von Penicillin veränderte die Medizin." (morphologische Nominalisierung mit -tion)
- "The fact that she left surprised everyone." → "Die Tatsache, dass sie gegangen ist, überraschte alle." (that‑Satz als Kern einer Nominalphrase)
Wann und warum nominalisiert man im Englischen?
Wann ist Nominalisierung nützlich?
- Als Subjekt oder Objekt gebraucht man oft Nomina: "Smoking is banned." statt "People smoke here." (wenn man die Handlung abstrahiert).
- Zur Informationskompression: eine Nominalphrase kann viele Details bündeln (z. B. "the government's sudden decision to cut spending after the audit").
- Formaler Stil: Wissenschaftliche oder offizielle Texte nutzen häufig morphologische Nominalisierungen (z. B. "the evaluation of results").
- Nach Präpositionen: Nach vielen Präpositionen folgt im Englischen eine Nominalkonstruktion (z. B. "after finishing, before leaving").
Wann sollte man lieber nicht nominalisieren?
- In verständlichem, aktivem Stil ist oft das Verb besser: Statt "The implementation of the policy was rapid" ist "They implemented the policy quickly" klarer.
- Zu viele Nominalisierungen hintereinander („nominal style“) machen Sätze schwer lesbar.
Wie bildet man Nominalisierungen? Die wichtigsten Typen und Beispiele
1) Gerundium: Verb+-ing als Nomen
Was ist das?
Das Gerundium (z. B. "smoking", "reading") ist die -ing‑Form des Verbs, die als Nomen fungiert. Es kann Subjekt, Objekt oder eine Ergänzung einer Präposition sein.
Beispiele:
- "Smoking is bad for your health." → "Rauchen ist schlecht für deine Gesundheit." (Subjekt)
- "I enjoy swimming." → "Ich genieße Schwimmen." (Objekt)
- "After finishing his homework, he went out." → "Nachdem er seine Hausaufgaben beendet hatte, ging er aus." (nach Präposition)
- "Her singing impressed everyone." → "Ihr Singen beeindruckte alle."
Besonderheiten
- Gerundien können ein Objekt haben: "John's eating the cake surprised me." (oder: "John eating the cake surprised me.")
- Vor dem Gerundium steht häufig ein Possessiv, wenn man die Handlung als solche betonen möchte: "I appreciated his helping me." (Das betont die Handlung ‚sein Helfen‘.)
- Nach Präpositionen folgt fast immer das Gerundium: "She insisted on leaving." (nicht: *"on to leave").
2) Morphologische Nominalisierung: Ableitungen (-tion, -ment, -al, -ance, -ence usw.)
Was ist das?
Das Verb erhält eine Nominalsuffix und wird dadurch zu einem eigenständigen Nomen: "decide → decision", "develop → development".
Beispiele:
- "The development of the vaccine took months." → "Die Entwicklung des Impfstoffs dauerte Monate."
- "Her decision to resign surprised everyone." → "Ihre Entscheidung zurückzutreten überraschte alle."
Worauf achten?
- Diese Nomen sind oft zählbar und brauchen Artikel: "an improvement", "the decision".
- Sie betonen häufig das Resultat oder das Konzept (‚Entwicklung‘, ‚Entscheidung‘), weniger die laufende Handlung.
3) 'That'-Sätze als Nominalphrasen (Content Clauses)
Was ist das?
Ein "that"‑Satz (z. B. "that she left") kann als ganze Einheit Subjekt oder Objekt sein.
Beispiele:
- "That he lied surprised everyone." → "Dass er gelogen hat, überraschte alle." (Subjekt)
- Häufiger: Extraposition mit "it": "It surprised everyone that he lied." → "Es überraschte alle, dass er gelogen hat."
- Nominalisierung mit Artikel: "The fact that he lied surprised everyone." → "Die Tatsache, dass er gelogen hat, überraschte alle."
Hinweis
- "The fact that" ist oft nützlich, wenn ein Nomen mit Artikel gebraucht wird, aber nicht immer stilistisch elegant. Manchmal reicht der reine "that"‑Satz oder eine andere Nominalisierung.
4) Wh‑Sätze und whether‑Sätze als Nominalphrasen
Was ist das?
Fragewörter (what, who, how usw.) oder whether/if können ganze Nominalsätze bilden.
Beispiele:
- "What he said was important." → "Was er sagte, war wichtig." (wh‑Satz als Subjekt)
- "I don't know whether he'll come." → "Ich weiß nicht, ob er kommen wird." (Objekt)
- Nach Nomen: "The question of whether he'll come remains open." → "Die Frage, ob er kommen wird, bleibt offen."
Tipp
- Nach bestimmten Nomen (question, doubt, wonder) ist "whether" formeller und präziser als "if": "the question whether..." wird oft bevorzugt.
5) To‑Infinitiv als Nominalisierung bzw. Nominalphrase mit Infinitiv
Was ist das?
Der To‑Infinitiv kann als Subjekt stehen (seltener) oder als Ergänzung eines Nomens: "To err is human." / "a decision to leave".
Beispiele:
- "To finish on time was impossible." → "Pünktlich fertig zu werden war unmöglich." (formaler)
- "She made a plan to travel next year." → "Sie machte einen Plan, nächstes Jahr zu reisen." (Nomen + to‑Infinitiv)
Hinweis
- In der Alltagssprache wird oft Extraposition verwendet: "It is important to finish on time." statt "To finish on time is important."
6) Präposition + Gerund oder 'of' + Nomen
Viele Nomen verlangen eine bestimmte Präposition, oder man bildet die Konstruktion mit "of":
- "the idea of leaving" → "der Gedanke, zu gehen"
- "the problem of pollution" → "das Problem der Verschmutzung"
- "interested in learning" → "interessiert daran zu lernen"
Wie baue ich komplexe Nominalphrasen? (Aufbau und Elemente)
Welche Teile hat eine Nominalphrase?
Eine komplexe Nominalphrase kann so aussehen:
- Determiner (the, a, my, this) + Prämodifikatoren (Adjektive, Besitzanzeiger, Nominalmodifier) + Kopf‑Nomen + Ergänzungen / Postmodifikatoren (Infinitiv, of‑Phrase, that‑Clause, Relativsatz, Präpositionalphrase)
Beispiel (English):
- "The government's sudden decision to cut spending after the audit surprised investors."
- Determiner: "The"
- Prämodifier: "government's" (Genitiv), "sudden" (Adjektiv)
- Kopf‑Nomen: "decision"
- Ergänzung: "to cut spending" (Infinitivphrase)
- Postmodifier: "after the audit" (Präpositionalphrase)
Übersetzung: "Die plötzliche Entscheidung der Regierung, die Ausgaben nach der Prüfung zu kürzen, überraschte Investoren."
Wie können Nebensätze innerhalb einer Nominalphrase auftauchen?
- Als Ergänzung des Nomens: "the belief that she is right" → "der Glaube, dass sie recht hat".
- Als Relativsatz nach dem Nomen: "the man who called yesterday" → "der Mann, der gestern angerufen hat".
- Als of‑Phrase bei morphologischen Nomina: "the discovery of the cure" → "die Entdeckung des Heilmittels".
- Gerundialphrase als Ergänzung: "the idea of moving abroad" → "der Gedanke, ins Ausland zu ziehen".
Wie verwandle ich Nebensätze in Nomina? Praktische Muster mit vielen Beispielen
Hier einige typische Transformationen (Original → mögliche Nominalisierungen):
A) Aktiver Satz → "the + -ing" oder "the + -ion/-ment" oder "the fact that..."
- "They closed the factory." → "The closing of the factory surprised the workers." → "Die Schließung der Fabrik überraschte die Arbeiter." (oder: "The factory's closure surprised the workers.")
- "People are using less plastic." → "The reduction in plastic use may be due to awareness." → "Die Verringerung des Plastikverbrauchs kann auf Bewusstsein zurückzuführen sein."
- "She passed the exam." → "Her passing the exam was a relief." → "Ihr Bestehen der Prüfung war eine Erleichterung." oder "The fact that she passed the exam was a relief."
B) That‑Satz → 'that' direkt, oder 'the fact that' für eine Nominalphrase
- "That he lied annoyed me." → "It annoyed me that he lied." → "Es ärgerte mich, dass er gelogen hat." oder "The fact that he lied annoyed me."
C) Frage (yes/no) → whether/if oder 'the question of whether...'
- "Will he come?" → "Whether he will come is unknown." → "Ob er kommen wird, ist unbekannt." oder "The question of whether he will come remains open."
D) Wh‑Frage → wh‑Clause oder 'the question of what...'
- "When the train arrives, we'll leave." → "The time of the train's arrival is uncertain." → "Die Ankunftszeit des Zuges ist ungewiss." oder "When the train arrives is not certain." (formeller)
E) Verb → morphologisches Nomen
- "They develop the software." → "The development of the software took two years." → "Die Entwicklung der Software dauerte zwei Jahre."
F) Passivierung als Nominalphrase
- Aktiv: "The army destroyed the city." → Nominal: "The destruction of the city by the army was catastrophic." → "Die Zerstörung der Stadt durch die Armee war katastrophal."
G) Possessiv + Gerund versus Objekt + Gerund
- "I appreciated his helping me." (betont: seine Handlung) → "Ich schätzte sein Helfen."
- "I appreciated him helping me." (häufiger in Umgangssprache; betont die Person und die Tatsache zusammen) → „Ich schätzte, dass er mir half."
Häufige Fehler und Stil‑Tipps
Typische Fehler
- Falsche Präposition: "the improvement on the situation" → korrekt: "the improvement in the situation".
- Falscher Gebrauch von "of" vs Genitiv: Bei Personen ist oft Genitiv natürlicher: "the company's decision" (besser als "the decision of the company" im Fall kurzer NPs).
- Possessiv vor Gerund: Stilistisch sicherer ist oft das Possessiv: "I object to his smoking" (formal) statt *"I object to him smoking" (umgangssprachlich akzeptiert, aber weniger formell).
- Übermäßiger Gebrauch von "the fact that": Oft lässt sich die Konstruktion kürzer und klarer ausdrücken: statt "The fact that she failed the test surprised us" → "That she failed surprised us" oder "Her failing the test surprised us."
- Wortstellung/Artikel: Morphologische Nominalisierungen benötigen oft einen Artikel: *"Improvement happened" vs "An improvement happened".
Stil‑Tipps
- Verwende aktive Verben statt zu vieler Nominalisierungen, wenn du Klarheit willst: "We analyzed the data" statt "An analysis of the data was carried out."
- Wähle die Nominalisierungsform nach Bedeutung: Gerund betont Aktivität, morphologische Nomina oft Resultat oder Konzept.
- Achte auf Präpositionen (of, in, on) nach bestimmten Nomen: "improvement in", "reduction in", "increase in".
Schnelles Umwandlungs‑Cheat‑Sheet (häufige Muster)
- S + V + O → "The V‑ing of O" oder "The V of O" (bei Ableitung) oder "O's V"
- "They built the bridge." → "The building of the bridge" / "The bridge's construction".
- That‑Satz → "that"‑Clause oder "the fact that" + that‑Clause
- "That she passed is good." → "It is good that she passed." oder "The fact that she passed is good."
- Yes/No → "whether/if" oder "the question of whether..."
- "Will he come?" → "Whether he will come..." / "The question of whether he will come..."
- Wh‑Satz → wh‑Clause oder "the question of what..."
- "What he said surprised me." → "The question of what he said..." (je nach Kontext)
- Verb → morphologisches Nomen
- "decide" → "decision", "improve" → "improvement", "perform" → "performance"
Glossar: Wichtige Begriffe kurz erklärt
Kurzfassung / Fazit
Nominalisierung ist ein mächtiges Mittel im Englischen: Sie ermöglicht es, Handlungen, Ergebnisse oder ganze Sätze als Nomina zu behandeln und Informationen in komplexen Nominalphrasen zu bündeln. Wichtig ist, die richtige Form (Gerund, to‑Infinitiv, morphologisches Nomen, that‑Clause, whether/wh‑Clause) je nach Bedeutung und Stil zu wählen. Achte auf Präpositionen, Possessive vor Gerundien und auf Lesbarkeit — in vielen Fällen ist ein aktives Verb die bessere Wahl.
Wenn du willst, kann ich dir konkrete Sätze umwandeln und erklären, welche Option am besten passt (Bedeutungsunterschied, Register, Wortwahl).