Imperativ (Befehlsform)

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Was ist der Imperativ (Befehlsform)?

Der Imperativ (auf Deutsch oft „Befehlsform“) ist die Verbform, mit der man direkt auffordert, anweist, bittet, vorschlägt oder einlädt. Er richtet sich immer direkt an eine oder mehrere Personen: informal singular (du), informal plural (ihr), formal (Sie) oder als Vorschlag inkl. Sprecher (wir).

Beispiele:
- Komm! (du) — (Come!)
- Kommt! (ihr) — (Come! plural)
- Kommen Sie bitte! (Sie) — (Please come!)
- Gehen wir! / Lass uns gehen! (wir) — (Let’s go!)

Wann benutze ich den Imperativ?

Anweisungen, Befehle und Warnungen
Der Imperativ ist die normale Form für direkte Anweisungen oder Verbote.
  • Halt! (Stop!)
  • Mach die Tür zu! (Close the door!)
  • Nicht rauchen! / Rauche nicht! (No smoking! / Don’t smoke!)
Bitten und höfliche Aufforderungen
Man kann den Imperativ abschwächen, z. B. mit bitte oder Modalpartikeln (doch, mal) oder durch Höflichkeitsformen (Sie/konj. Formen).
  • Hilf mir, bitte. (Help me, please.)
  • Schicken Sie mir den Bericht. (Send me the report.)
Einladungen, Vorschläge und Aufforderungen zu Aktivitäten
  • Komm mit ins Kino! (Come to the cinema with me!)
  • Gehen wir spazieren! / Lass uns spazieren gehen! (Let’s go for a walk!)

Wie bilde ich den Imperativ?

Du-Form (informell, Singular)
Regelform: Nimm die Präsensform für „du“ und streiche die Endung -st. Oft ergibt das die Stammform des Verbs.
  • du kommst → Komm!
  • du spielst → Spiel!
  • du lernst → Lern!

Optional kann hinter dem Stamm ein -e stehen (geh(e), arbeite), das besonders bei Wörtern mit schwieriger Aussprache oder älteren Formen üblich ist. In der gesprochenen Alltagssprache ist die Kurzform ohne -e sehr häufig.
- Geh(e)! / Geh! (Go!)
- Arbeite! (Work!)

Unregelmäßige oder stammverändernde Verben (häufig Umlautwechsel):
- geben → du gibst → Gib! (Give!)
- nehmen → du nimmst → Nimm! (Take!)
- sprechen → du sprichst → Sprich! (Speak!)
- essen → du isst → Iss! (Eat!)
- sehen → du siehst → Sieh! (See!)

Wichtige Hinweise zur du-Form
- Verwende nicht das Pronomen du im Imperativ: nicht „Du kommst!“, sondern „Komm!“ (Ausnahme für Hervorhebung: „Komm du!“ ist stilistisch möglich, aber selten.)
- Wenn du eine höfliche Bitte machen willst, füge bitte oder mal/doch hinzu: „Komm bitte!“ / „Komm mal!“

Ihr-Form (informell, Plural)
Bildung: Nimm die Präsensform für ihr, aber lass das Pronomen weg.
  • ihr kommt → Kommt!
  • ihr macht die Hausaufgaben → Macht die Hausaufgaben!

Beispiele:
- Kommt rein! (Come in!)
- Setzt euch! (Sit down!)

Hinweis
Die ihr-Form endet in der Regel auf -t (wie im Indikativ), nur das Pronomen wird weggelassen.

Sie-Form (formell)
Bildung: Infinitiv + Sie (großes S), z. B. „Kommen Sie!“. Das formelle Sie bleibt als Subjekt-Angabe erhalten.
  • kommen → Kommen Sie! (Please come!)
  • helfen → Helfen Sie mir, bitte. (Please help me.)

Beispiele:
- Setzen Sie sich bitte. (Please sit down.)
- Schließen Sie das Fenster. (Close the window.)

Wichtig
- Das „Sie“ wird großgeschrieben und steht nach dem Verb. Ohne Großschreibung ändert sich die Bedeutung oder die Form gilt als falsch.
- Zur Höflichkeit kann man statt direkten Imperativs auch fragen: „Könnten Sie …?“ oder „Würden Sie bitte …?“

Wir-Form (Vorschlag: „Let’s“)
Bildung: Präsens erster Person Plural (wir) ohne Pronomen oder alternativ „lass uns / lasst uns“. Beide Möglichkeiten sind gebräuchlich:
  • Wir gehen → Gehen wir! (Let’s go!)
  • Lass uns gehen! (Let’s go! – informell)
  • Lassen Sie uns beginnen. (Let us begin. – formeller)

Beispiele:
- Gehen wir ins Kino! (Let’s go to the cinema!)
- Lass uns anfangen. (Let’s start.)

Besondere Fälle und Ausnahmen

Trennbare Verben
Bei trennbaren Verben steht das Präfix am Satzende. Die Imperativbildung folgt der normalen Regel, aber das Präfix bleibt getrennt.
  • aufstehen: du → Steh auf! / ihr → Steht auf! / Sie → Stehen Sie auf!
  • mitbringen: du → Bring das mit! / ihr → Bringt das mit! / Sie → Bringen Sie das mit!

Beispiele mit Negation: „Steh nicht auf!“ (Don’t get up!) – das „nicht“ steht normalerweise vor dem abgetrennten Präfix.

Reflexive Verben
Bei reflexiven Verben folgt das Reflexivpronomen direkt auf das Verb im Imperativ:
  • Setz dich! / Setzt euch! / Setzen Sie sich!
  • Beeil dich! / Beeilt euch! / Beeilen Sie sich!
Modalverben
Modalverben als Imperativ sind selten; man verwendet eher andere Formen oder höfliche Fragen.
  • Kannst du mir helfen? (häufiger als „Kann mir helfen!“)
  • Dürfen wir? (als Frage/Suggestion)
Unregelmäßige Verben und Umlautwechsel
Viele starke Verben ändern den Stammvokal in der du-Form, und die Imperativform übernimmt diesen Wechsel:
  • lesen → du liest → Lies! (Read!)
  • fahren → du fährst → Fahr! (Drive!/Go!)
  • nehmen → du nimmst → Nimm! (Take!)
  • geben → Gib!
  • essen → Iss!

Negation: ‚nicht‘ vs. ‚kein‘

- Nicht negiert Verben, Adjektive und Adverbien: „Geh nicht!“ (Don’t go!), „Sprich nicht so laut!“
- Kein negiert Nomen: „Kein Alkohol!“ (No alcohol!), „Keine Handys!“

Im Imperativsatz steht ‚nicht‘ üblicherweise vor dem trennbaren Präfix („Steh nicht auf!“) und nach dem direkten Objekt, wenn dieses betont wird: „Lies das Buch nicht!“ / „Rauch da nicht!“

Höflichkeit und Abschwächung

Bitte
„Bitte“ macht einen Imperativ höflicher und kann fast überall stehen:
- Bitte setz dich. / Setz dich bitte. / Bitte, setz dich.

Modalpartikeln (mal, doch, bitte, einfach)
Kleine Wörter verändern den Ton: sie machen Aussagen freundlicher, dringlicher oder nachdrücklicher.
- Komm mal her! (Come here for a moment!)
- Mach das doch! (Go ahead and do it / I suggest you do it)
- Probier das einfach. (Just try it.)

Höfliche Alternative: Konditional/Subjunktiv
Statt direktem Imperativ wird in formellen Kontexten oft eine Frage oder der Konjunktiv benutzt:
- Könnten Sie mir bitte helfen? (Could you please help me?)
- Würden Sie bitte hier unterschreiben? (Would you please sign here?)

Imperativ in Schildern, Anleitungen und Rezepten

- Schilder verwenden oft Kurzformen oder Infinitive: „Nicht rauchen“, „Bitte nicht stören“, „Zutritt verboten“.
- Anleitungen und Rezepte verwenden häufig Imperative in der du-Form oder neutralen Infinitive:
- Heize den Ofen auf 180 °C vor. (Preheat the oven to 180 °C.)
- Füge die Eier hinzu. (Add the eggs.)
- Drehen Sie den Schlüssel nach rechts. (Turn the key to the right.)

Typische Fehler — worauf du achten solltest

- Falsches Pronomen weglassen oder benutzen:
- Falsch: „Du kommst!“ (als Befehl) • Richtig: „Komm!“
- Falsch: „Kommt Sie!“ • Richtig: „Kommen Sie!“

- Großschreibung von Sie in der formellen Ansprache vergessen:
- Falsch: „Kommen sie!“ • Richtig: „Kommen Sie!“

- Verwechslung von nicht/kein:
- Falsch: „Kein rennen!“ (statt „Nicht rennen!“)

- Falsche Stellung von ‚nicht‘ bei trennbaren Verben:
- Falsch: „Steh auf nicht!“ • Richtig: „Steh nicht auf!"

- Unangemessene Höflichkeit: In förmlichen Kontexten ist der Imperativ ohne Höflichkeitsform oft zu direkt; nutze „Könnten Sie…?“ oder „Bitte …“

Praktische Tipps und Nuancen

- Verwende ‚bitte‘, ‚mal‘ oder ‚doch‘, um Befehle weicher zu machen: „Komm mal her!“ klingt freundlicher als „Komm!".
- Für Gruppen, bei denen du unsicher bist, ob Du- oder Sie-Form angemessen ist, benutze das formelle Sie: „Kommen Sie bitte alle her.“
- In schriftlichen Anleitungen sind Imperativ und Infinitiv häufig; in der gesprochenen Sprache ist der Imperativ natürlicher.

Kurzes Glossar

Imperativ — Befehlsform des Verbs („Komm!“, „Kommen Sie!“).
Infinitiv — Grundform des Verbs („kommen“, „essen“).
du-Form — informelle, 2. Person Singular.
ihr-Form — informelle, 2. Person Plural.
Sie-Form — formelle 2. Person Singular und Plural (großgeschrieben).
trennbare Verben — Verben mit Präfix, das im Satz abgetrennt wird (aufstehen → steh auf).
reflexive Verben — Verben mit Reflexivpronomen (sich setzen → Setz dich).

Zusammenfassung / Merkhilfe

- Du-Imparativ: Stamm ohne -st → Komm! / Iss! / Nimm!
- Ihr-Imparativ: ihr-Form ohne Pronomen → Kommt! / Setzt euch!
- Sie-Imparativ: Infinitiv + Sie → Kommen Sie! / Setzen Sie sich!
- Wir-Vorschlag: Gehen wir! oder Lass(t) uns … → Lass uns gehen!
- Verwende ‚nicht‘ für Verben, ‚kein/keine‘ für Nomen.
- ‚Bitte‘ und Modalpartikeln (mal, doch) mildern den Ton.

Wenn du eine bestimmte Imperativform üben willst oder unsicher bist, ob du ‚du‘, ‚ihr‘ oder ‚Sie‘ verwenden sollst, schaue zuerst, wie formell die Situation ist (Freunde → du; Gruppe von Jugendlichen → ihr; Fremde/geschäftlich → Sie).

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